Prof. Dr. habil. Jürgen Held

Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd

Leiter des Instituts für angewandte Forschung

Kontrollraum-Arbeitsplätze in den Betriebszentralen der Schweizerischen Bundesbahnen

Hintergrund und Fragestellung

Kontrollräume dienen der Überwachung und Fernsteuerung von Prozessen. Sie sind in grossen oder komplexen technischen Systemen erforderlich, beispielsweise in der Verfahrens- und Kraftwerkstechnik, in der Weltraumfahrt oder im Verkehrswesen. Typisch für Kontrollräume ist die Aufteilung in einzelne Teilsysteme und deren Zuordnung zu Kontrollraum-Arbeitsplätzen.

Im Bahnverkehr erfolgt eine solche Aufteilung anhand der Streckenführung in geographische Bereiche. Die Möglichkeiten der Fernsteuerung und Automatisierung im Bahnverkehr führten zu einer Zentralisierung. Dadurch sind Betriebszentralen zum Teil als Neubauten entstanden, deren Kontrollräume eine Raumstruktur mit hoher Anzahl von Spezial-Arbeitsplätzen bedeuten.

Bei diesen Neubauprojekten stellt sich die Frage, wie Methoden und Fachwissen derErgonomie in die Konzeption und Gestaltung der Räume und Arbeitsplätze eingebracht werden können. Der vorliegende Beitrag stellt dies am Beispiel des Kommandoraums (Kontrollraum) der Betriebszentrale Mitte der Schweizerischen Bundesbahn dar.

Methode

In zwei bestehenden Betriebsleitzentralen und einem Zentralsteuerwerk wurden Raumlayout, Umgebungsfaktoren (Beleuchtung, Schalldruckpegel, Raumluft), Arbeitsplatzgeometrie, Arbeitsmittel, Arbeitsaufgaben und Tätigkeiten analysiert sowie Benutzererfahrungen ermittelt. Daraus und mit Einbezug der ISO 11064 (Ergonomic design of control centers) wurde ein Layout eines Kontrollraumes und Anforderungen an dessen Gestaltung in Form einer Planungsunterlage entwickelt. In mehreren Projekten der Neueinrichtung und des Neubaus erfolgten schrittweise Umsetzungen aus diesen Erkenntnissen, bis hin zu dem grössten Neubauvorhaben, der Betriebszentrale Mitte, dessen Kommandoraum über 100 Arbeitsplätze umfasst. Nach der Betriebsaufnahme erfolgten an diesen Arbeitsplätzen Nachkontrollen zu den in der Planung geforderten ergonomischen Bedingungen.

Ergebnisse
Die Anordnung oder das Layout der Arbeitsplätze beruht auf der Widerspiegelung der Topographie des Schienennetzes und auf den Kommunikationsbeziehungen zwischen den Teilsystemen oder Sektoren. Die Geometrie eines einzelnen Arbeitsplatzes und dessen Ausführung als Bildschirmarbeitsplatz mit 8 - 12 Monitoren bildete das Kernelement. Entstanden ist ein Spezialarbeitsplatz in Umsetzung eines Sitz-Steh-Konzeptes mit voneinander getrennt einstellbarer Tisch- und Monitorhöhe. Die Arbeitsplatz-Rechner wurden mit bedeutenden Vorteilen für die Arbeitsplatzqualität und Betriebsführung in Rechnerräumen ausgelagert. Die Beleuchtung im 2100 qm grossen Kommandoraum wurde durch ein Lichtmanagementsystem dem Tageslichtverlauf nachempfunden.

Schlussfolgerungen

Für Kontrollräume und deren Arbeitsplätze bestehen ergonomische Anforderungen und Methoden zur Planung, Gestaltung und Überprüfung in sieben Standards (ISO 11064-1/-7). Dennoch erforderte die fachliche Unterstützung im beschriebenen Neubau der Betriebszentrale und des Kommandoraums eine umfassende Analyse bestehender Systeme und dort durchgeführte Tätigkeitsanalysen. Dies und die schrittweise Entwicklung des
Spezialarbeitsplatzes bedeutete die Beauftragung von Ergonomiestudien weit im Voraus vor dem eigentlichen Neubauprojekt. Das bedingt seitens des Unternehmens eine strategische Planung zur Integration von Ergonomiewissen über grosse Zeiträume hinweg.

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